Ordnung und Übersicht im digitalen Fotoarchiv

Wie ist die Ablage zu organisieren, welche Ordnerstruktur ist sinnvoll und wie werden die Bilddateien einer Fotosammlung benannt? Seit 1999 fotografiere ich digital und die hier vorgestelle Systematik hat sich in der Praxis bewährt.

Fotografieren ist heute kinderleicht und weil digitale Bilder quasi nichts kosten, entstehen schnell hunderte und tausende Bilddateien. Anfangs findet man sie noch schnell wieder, aber spätestens nach einem Jahr vergeht mehr Zeit mit der Sucherei als der Aufwand für eine systematische Ablage gekosten hätte. Natürlich ist dies zunächst mit zusätzlicher Arbeit verbunden, der Nutzen tritt dann aber später voll in Erscheinung.

Haben Sie gerade schlechte Laune? Prima, das ist der beste Zeitpunkt um schlechte Bilder zu löschen! Daniel Zellfelder hat dazu mit „Ordnung: Das Aussortieren der Fotos“ eine sehr hilfreichen Artikel veröffentlicht.

Alle anderen Fotos sollten Sie mit System ablegen. Aber woran erkenne ich ein gutes Foto? Der berühmte Fotograf Henri Cartier-Bresson (1908-2004) brachte es auf den Punkt: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“

Thematische oder chronologische Dateiablage?

Ein wesentlicher Vorteil digitaler Bilder ist die Möglichkeit, sie so zu archivieren, dass sie blitzschnell wiedergefunden werden können. Voraussetzung ist allerdings eine konsequente Ablage mit System.

Grundsätzlich können die Digitalfotos thematisch nach Kategorien oder chronologisch z.B. nach Monaten sortiert werden. Mögliche Kategorieordner könnten Tiere, Landschaften, Pflanzen, Personen oder Urlaub sein. Die Zuordnung erfolgt subjektiv und manche Fotos könnten gleichzeitig in mehreren Kategorien erscheinen, was in der Praxis irgendwann zu Problemen führt. Die naheliegende Lösung Kopien des Bildes in jeder Kategorie zu speichern ist umständlich und auf Dauer ungeeignet.

Einen zentraler Ablageort einrichten

Wesentlich einfacher ist dagegen eine chronologische Dateiablage mit Ordnern für Jahre und Monate. Bei verwende das Betriebssysten Windows, für andere Systeme gelten die nachfolgenden Infos entsprechend.

Bei mir landen alle bearbeiteten Fotos auf dem Laufwerk D im Ordner "foto" mit den Unterordnern "2017", "2018",... für die Jahre. Jeder Jahresordner enthält zwölf Unterordner "01" .. "12" für die Monate Januar bis Dezember.

Ich verwende also folgende sehr kurze Ordnerstruktur, die einfach und zukunftssicher ist und mit nur 3 Ebenen auskommt:

Aussagekräftige und einzigartige Dateinamen

Die von der Kamera automatisch vergebenen Dateinamen sind nicht aussagekräftig und für das Wiederfinden von gesuchten Fotos völlig ungeeignet. Alle Bilder müssen deswegen nach einem klar gegliederten und einfach zu verstehendem Schema umbenannt werden. Neben den wichtigsten Begriffen zum Bildinhalt sind Aufnahmedatum und -zeit ein zentrales Attribut, um Bilder später wieder schnell zu zufinden.

Digitalkameras registrieren Aufnahmedatum und -zeit automatisch in den EXIF-Daten direkt in der Bilddatei. Mit diesen Daten erfolgt später die automatische Umbenennung.

Für die Dateinamen gilt: So kurz wie möglich, aber so lang wie nötig. Bei zu kurzen Namen gehen wichtige Informationen verloren. Zu langen Dateinamen sind bei einigen Anwendungen nicht mehr darstellbar oder führen zu weiteren Problemen.

Der Dateiname sollte die wesentlichen Inhalte beschreiben und das Dateidatum enthalten. Es ist eine gute Idee Umlaute und Sonderzeichen zu vermeiden, da dies auf einigen Systemen Probleme bereitet.

Dateinamen sollten nur einmalig vergeben werden und damit einzigartig sein. Theoretisch lassen sich dann alle Bilder in einen einzigen Ordner kopieren, ohne sich gegenseitig zu überschreiben.

Einfaches und aussagekräftiges Namensschema

Das allgemeine Schema lautet:

JJ-MM-TT@hhmmss_attribut1-[attribut2]-...-ort.ext

Aus der Bennennung lassen sich die wichtigsten W-Fragen beantworten und der vollständige Pfad ist aus der Datumsangabe ablesbar.

Aus dem am 17. August 2018 um 14:12:39 aufgenommenen img2547.jpg wird dann

18-08-17@141239_schiff-atlantis-helgoland.jpg

welches in der Ordnerhierachie D | foto | 2018 | 08 liegt.

Nach den Attributen steht der Ort und dann die Dateiendung

Verwenden Sie nur Kleinbuchstaben ohne Umlaute oder Sonder- bzw. Leerzeichen, um Problemen zu vermeiden.

Das Aufnahmedatum (im Format Jahr-Monat-Tag) am Anfang des Dateinamnes hat zudem den Vorteil, dass man die Dateien automatisch chronologisch sortiert im Dateimanager angezeigt bekommt.

Voraussetzung ist natürlich daß die Kamera stets die richtige Uhrzeit verwendet. Ich überprüfe die Systemzeit deshalb nach jedem dritten Wechsel des Akkus.

d:\
├───foto
│   ├───2016
│   ├───2017
│   ├───2018
│   │   ├───01
│   │   ├───02
│   │   ├───03
│   │   ├───04
│   │   ├───05
│   │   ├───06
│   │   │   ├─ 18-06-12@081558_weisses-pony-wiehern-karlsruhe.jpg
│   │   │   ├─ 18-06-17@204703_feld-reh-freiburg.jpg
│   │   │   ├─ 18-06-25@153647_kirche-wetterhahn-kelsterbach.jpg
│   │   ├───07
│   │   ├───08
│   │   ├───09
│   │   ├───10
│   │   ├───11
│   │   └───12
│   └───2019
│       ├───01
│       ├───02
│       ├───04
│       ├───05
│       ├───06
│       ├───07
│       ├───08
│       ├───09
│       ├───10
│       ├───11
│       └───12

Fotos schnell und einfach wiederfinden

Jetzt sind die Voraussetzungen erfüllt, um Bilder nach verschiedenen Suchkriterien ohne Spezialprogrammen mit dem Explorer zu finden. Dazu einige Beispiele:

Massenweise automatisch umbenennen

Ein manuelles Umbenennen ist nicht nötig, da viele Programme diese monotone Arbeit für viele Bilder in einem Rutsch erledigen. Am Beispiel des Grafikprogramms XNView kann über die Menüfolge "Werkzeuge | Mehrfaches umbennen..." mit dem Schema:

<Date Taken[y-m-d]>@<Date Taken[HMS]>_a-b-c

Aus den ursprünglichen, aber nichtssagenden Dateinamen der Kamera

img2547.raw
img2548.raw
img2549.raw

werden zunächst

18-06-12@081558_a-b-c.raw
18-06-17@204703_a-b-c.raw
18-06-25@153647_a-b-c.raw

Dateien das Aufnahmedatum zuweisen

XNView bietet noch einen sehr nützlichen Befehl, um den Bilddateien nach der Bearbeitung das Datum der Aufnahme zu geben. Einfach den ausgewählten Dateien über die Menüfolge "Werkzeuge | Dateidatum und -uhrzeit ändern... | Neuer Wert > EXIF - Aufgenommen das Ursprungsdatum zuweisen.

Sicherung der Originaldaten

Diese Originaldaten sichere ich auf c:\bild in einer analogen Ablagestruktur.

c:\
├───bild
│   ├───2016
│   ├───2017
│   ├───2018
│   │   ├───01
│   │   ├───02
│   │   ├───03
│   │   ├───04
│   │   ├───05
│   │   ├───06
│   │   │   ├─ 18-06-12@081558_a-b-c.raw
│   │   │   ├─ 18-06-17@204703_a-b-c.raw
│   │   │   └─ 18-06-25@153647_a-b-c.raw
│   │   ├───07
│   │   ├───08
│   │   ├───09
│   │   ├───10
│   │   ├───11
│   │   └───12
│   └───2019
│       ├───01
│       ├───02
│       ├───04
│       ├───05
│       ├───06
│       ├───07
│       ├───08
│       ├───09
│       ├───10
│       ├───11
│       └───12

Aus diesen schematisch benannten Dateien müssen schließlich die Attribute a,b und c manuell für jedes Bild durch passende individuelle Bezeichnungen ersetzt werden.

Datensicherung durch Synchronisation

Um einen Datenverlust meiner Bilder zu vermeiden spiegele ich die Daten regelmäßig auf weiteren Festplatten. Das kleine Werkzeug DirMirror ist hierfür prima geeignet.

 

Praxisbeispiele

Beispiel 1 - Urlaub

Beispiel 2 - Ereignis

Beispiel 3 - Natur