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Kormoran, Seeigel und Co. – Fundstücke des Jahres 2026

Kristina Basenau und Jürgen Eggers – NABU Hermannsburg/Faßberg e.V.

Ein direkter Kontakt zur Natur mit allen fünf Sinnen wird immer seltener und schnurrt zunehmend zu virtuellen Erlebnissen im Internet zusammen, die sich nur auf Hören und Sehen beschränken. In den Sozialen Medien haben Bescheidwisser, Wissenwoslanggeher, Wasverkaufenwoller und Krawallschwurbler das Sagen. Mit dem Smartphone oder Tablet bewegen sich viele Zeitgenossen zu oft nur in ihrer eigenen „Blase“ und akzeptieren dabei oft nur zwei Meinungen: die eigene und die falsche. Zwischentöne und Differenzierungen werden kaum noch akzeptiert.

Im Fernsehen laufen täglich brutale Krimis mit zynischen Dialogen. Bei vielen Krimiserien geht es weniger um die Lösung eines Mordfalles, sondern mehr um an den Haaren herbeigezogene Beziehungs- oder Drogenprobleme der Ermittler. Viele Berufsbezeichnungen kommen heute ziemlich aufgeblasen daher: Aus dem Finanzvorstand wird der Vorstand – Finanzen. Heißt es bald auch Lehrer – Deutsch, Meister – Haus, Werker – Hand oder gar Schneider – Beutel?

Ein Mann und eine Frau hocken im Schnee und halten einen kleinen Schneemann in den Händen
Jürgen Eggers und Kristina Basenau

Auch beim Reisen verlieren Natur- und Kulturerlebnisse zugunsten von schnödem Konsum immer mehr an Bedeutung. Es gilt das Motto: „Die Berge von unten, die Kirchen von außen und die Wirtshäuser von innen.“ Da lieben wir es eher altmodisch und wollen euch kostenlos an unseren Naturerlebnissen teilhaben lassen. Schließlich verlangt die Natur auch keinen Eintritt. Noch nicht ...

Vogelfedern sind biomechanische Wunderwerke der Natur

Die geniale Erfindung der Natur ermöglichen Flugkunst, Schutz und Schönheit zugleich

Januar: Was haben wir der Feder nicht alles zu verdanken? Sie fixiert mit dem Treibstoff Tinte unsere Gedanken in Form von Buchstabenreihungen, die als Worte zu Einkaufszetteln, Briefen, Romanen usw. – Literatur eben – auf Papier eintrocknen. Diese Zeilen stammen sprichwörtlich aus meiner Feder. In Wirklichkeit begann alles auf der Rückseite eines bedruckten Blattes Papier mit einem Bleistift. Die Endfassung formte sich dann am Bildschirm meines Computers.

Aber es gibt noch viel mehr über Federn zu berichten: Vogelfedern sind die komplizierteste Form der Haut im Tierreich und bestehen hauptsächlich aus Keratin, dem gleichen Material wie Haare und Nägel.

Die Federäste sind untereinander mit ihren Strahlenreihen fest verbunden. Dadurch erzeugen sie die für den Flug notwendige Stabilität und schützen vor Nässe und Wind. Außerdem können sich die Strahlen wie bei einem Reißverschluss trennen und wieder zusammenfügen. Dank ihrer Hohlstruktur sind sie zudem federleicht und gleichzeitig sehr stabil. Damit können sie ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen: Wärmen und isolieren, fühlen und tasten, stabilisieren und windschnittig machen. Viele Vögel besitzen zudem eine Öldrüse, deren Sekret sie über die Federn verteilen und damit wasserfest imprägnieren.

Bei Kälte sträuben Vögel ihr Gefieder, um das isolierende Luftpolster zu vergrößern. Bei Hitze hingegen legen sie die Federn eng an den Körper an. Auch beim Fliegen ist es erforderlich blitzschnell die Stellung der Federn den jeweiligen Bedingungen anzupassen. Jede Feder wird von einem eigenen Muskel gesteuert. Im Gegensatz zum starren Tragflügel eines Flugzeuges werden dadurch die akrobatischen synchronen Flugmanöver eines Starenschwarms möglich.

Makroaufnahme einer grauen Vogelfeder im Durchlicht
Details einer Taubenfeder

Färbung und Musterung erfüllen die eigentlich sich widersprechenden Anforderungen nach Schmuck und Tarnung. Chemische Farb-Pigmente sind zwar für die Grundfarben des Vogels verantwortlich, doch die lebhaften, mit dem Lichteinfall wechselnden Farben entstehen erst durch feinste Strukturen in den Federn. Sie beugen oder brechen das einfallende Licht und erzeugen so die schillernden Oberflächen.

Eulen können dank spezieller Fransen an den Flügelkanten beinahe lautlos fliegen und so Mäuse leicht erbeuten. Ein großer Schwan braucht nur 2 Mal pro Sekunde seine Flügel zu bewegen, um sich stabil in der Luft zu halten. Der kleine Kolibri hingegen muss bis zu 80 Mal pro Sekunde mit den Flügeln schlagen. Winzige Mücken können sogar nur fliegen, wenn sie 1500 Mal pro Sekunde die Flügeln flattern lassen. Allerdings haben sie keine Federn; die würden bei dem Tempo auch sofort zerfleddern.

Die Farben eines geheimnisvollen Baumes

Blutroter Harz und grüner Blütenstaub – die Farbenpracht der Erle

Februar: Im Frühjahr tragen die jungen Erlenblätter das kräftigste Grün in unserer Gegend, im Sommer wirken die Blätter wie aus Wachs und sind sehr fest und im Herbst wird das abgeworfene Laub der Erle (Alnus) am schnellsten unansehnlich braun. Doch die Erle hat noch viele weitere Farben zu bieten! Wenn sich im Übergang zwischen Winter und Frühjahr ihre Zapfen öffnen, dann kann mit etwas Glück auch noch Schnee liegen und eine weitere Farbe der Erle auffallen: ein hübsches Gelb zieht am Boden in die weiße Pracht und lässt manch einen Spaziergänger kurz aufblicken, woher die Farbe kommt. Geht der Blick hoch genug, sieht es vielleicht so ähnlich aus, wie auf dem Foto.

Durchweg gehört die Erle zu den wunderlichen Bäumen. So trägt sie für einen Laubbaum recht ungewöhnliche Samen: die weiblichen Kätzchen verholzen und werden folgerichtig als Zapfen bezeichnet. In ihrem Inneren reifen kleine, oft geflügelte Nussfrüchte heran, welche dann zum richtigen Zeitpunkt „frei“ gelassen werden. Die hübschen, kleinen Zapfen bleiben auch nach Entlassung des Nachwuchses am Baum, wo sie für uns gut sichtbar und als Bestimmungshilfe hilfreich sind.

Früchte einer Erle an einem Zweig mit Schnee
Honiggelbe Früchte einer Erle

Wenn die Menschen in früheren Zeiten an die Erle dachten, dann eher mit einem gruseligen Gefühl. Da die Erle immer gerne mit nassen „Füßen“ fest im Erdreich eingebunden ist, entsteht häufig auch Nebel in einem Erlenbruch. Und Nebel wurde in früheren Zeiten als Schwelle in eine andere Welt ausgelegt und so war die Erle auch stets ein geheimnisvoller Baum. Je nach Region wurde sie als Hüterin von Geheimnissen und heiliger Baum verehrt oder als Hexenbaum verschrien und Baum der Toten gefürchtet. Letzteres liegt an einer weiteren Farbe der Erle: wird sie gefällt, färbt sich das austretende Harz bei Luftkontakt blutrot. Dies erfüllte unsere Ahnen mit Furcht und so entstanden vielgestaltige Mythen um diesen Baum: So sollten Erlenzweige in der Walpurgisnacht genutzt werden, um vor bösartigen Hexen zu schützen.

Eine besondere Eigenschaft des Erlenholzes ist zudem, dass es unter Wasser nicht verrottet. Daher wurde Venedig auf Erlenpfeilern errichtet. Und durch ihre starke Bindung ans Wasser ist die Erle auch heute noch bei Wünschelrutengängern beliebt. Doch auch unten in den Wurzeln zeigt die Erle verschiedene Farben. Um an nährstoffarmen Plätzen zu überleben, bildet die Erle Wurzelknöllchen aus und bildet mit einem Bakterium eine Symbiose zur Stickstoffbindung. Das macht die Erlen zu Pionieren, die nachfolgenden Pflanzen den Boden aufbereiten. Diese Wurzelknöllchen sind hell bis dunkelgelb gefärbt und bei niedrigem Wasserstand auch am lebenden Objekt zu erkennen.

Die schönste Erkenntnis, die wir aus unserer Recherche ziehen konnten, ist das Wissen über die Farben, welche in früheren Zeiten aus ihr gewonnen wurden: Grün aus den Blüten, Rot aus der Rinde und Braun aus jungen Sprösslingen. Für uns wird die Erle zu jeder Jahreszeit ein bunter Baum bleiben.

Es geht weiter ...

Weitere Naturentdeckungen folgen alle paar Monate, sobald sie erlebt, fotografiert, aufgeschrieben, recherchiert, umgeschrieben, getextet, diskutiert, redigiert, gegengelesen, lektoriert und korrigiert sind.